Nachfolgeregelungen und demografischer Wandel im Dentallabor

Die Nachfolgeregelung in deutschen Dentallaboren ist angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels eine zentrale Herausforderung. Bis 2030 suchen rund 186.000 deutsche Unternehmen einen Nachfolger, wobei auf 9.600 ausscheidende Inhaber oft nur 4.000 kaufbereite Nachfolger kommen.

Wichtiger Hinweis: Für eine erfolgreiche Übergabe ist eine gründliche Analyse der Unternehmensdaten (Umsatz, Kundenstruktur) notwendig.

Akuter Handlungsbedarf notwendig 

Die deutsche Zahntechnik befindet sich im Wandel: Die Zahl der Dentallabore ist stark rückläufig (2018: 8.692 Betriebe, 2025: 4.879) und die Inhaber sind im Durchschnitt älter geworden. Rund ein Drittel der Laborinhaber ist bereits 60 Jahre oder älter. Schätzungen des Zentralverbands des Handwerks (ZDH) gehen davon aus, dass bis 2027 in bis zu 125.000 Handwerksbetrieben eine Übergabe ansteht (etwa jeder fünfte Betrieb) – für die Zahntechnikbranche dürfte der Anteil altersbedingter Übergaben sogar noch höher sein. Laut einer KfW-Studie planen allein bis Ende 2026 rund 224.000 mittelständische Unternehmer ihren Rückzug (das entspricht etwa 6 % aller KMU). Viele Dentallabor-Inhaber verschieben ihren Ausstieg flexibel ins höhere Alter, da sie keinem festen Rentenstichtag unterliegen. Entsprechend bleibt oft nur wenig Zeit, um rechtzeitig einen geeigneten Nachfolger aufzubauen oder einen Käufer zu finden. Ein Hauptproblem ist der Nachwuchsmangel: Immer weniger junge Menschen mit entsprechender Qualifikation streben eine eigene Betriebsführung an, auch die Ausbildungszahlen im Zahntechnikhandwerk sind stark rückläufig. 59 % der Handwerksbetriebe nennen die Suche nach einem geeigneten Nachfolger als größte Herausforderung der Nachfolge. Gelingt keine interne Lösung (Familie oder Mitarbeiter), droht im schlimmsten Fall die Betriebsaufgabe. Daher ist eine frühzeitige Planung essenziell – idealerweise beginnt man mit den ersten Nachfolgeüberlegungen schon mit Anfang 50.

Hier sind die wesentlichen Aspekte und Optionen für die Nachfolgeplanung:

1. Nachfolgeoptionen

  • Interne Nachfolge (Familie/Mitarbeiter): Die Übergabe an Kinder oder langjährige Mitarbeiter ist oft die Wunschlösung, wird aber seltener.
  • Verkauf an Dritte (Extern): Verkauf an junge Zahntechnikermeister, die sich selbstständig machen wollen.
  • Verkauf an Investoren/Großlabore: Übernahme durch überregional agierende Großlabore oder Dental-Ketten.
  • Fusionen: Zusammenschluss mit anderen Dentallaboren, um Synergien zu nutzen und die Attraktivität für Nachfolger zu erhöhen.
  • Geordnete Liquidation: Wenn kein Käufer gefunden wird, ist die geplante Schließung die letzte Option, die sorgfältig vorbereitet werden muss.

2. Trends und Herausforderungen

  • Digitalisierung: Labore müssen „fit für die Zukunft“ sein, was Investitionen in moderne Technik (CAD/CAM) voraussetzt, um für Nachfolger attraktiv zu sein.
  • Fachkräftemangel: Das Fehlen qualifizierter Nachfolger (Zahntechnikermeister) erschwert die Suche.
  • Wandel der Arbeitsmodelle: Klassische Modelle funktionieren nicht mehr flächendeckend; kreative Lösungen sind gefragt.
  • Verkaufspreis: Frühzeitige Planung (3–5 Jahre vor Ruhestand) steigert die Verkaufschancen und den Verkaufspreis

3. Unterstützung und Börsen

  • IHK/HWK: Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern bieten Beratung und Börsen an.
  • Nexxt-Change: Eine bekannte Nachfolgebörse ist www.nexxt-change.org, die von der IHK unterstützt wird.
  • Spezialisierte Berater: Unternehmensberater, die auf die Dentalbranche fokussiert sind (z.B. dentara, Hebinck).
  • Dental-Depots: Bieten Unterstützung bei der Suche nach Abgebern und Übernehmern. 

Klassische Nachfolgemodelle

Folgende klassische Modelle werden in Zahntechnikbetrieben am häufigsten verfolgt:

  • Familiennachfolge: Traditionell der erste Weg. Oft soll der Betrieb an Kinder oder Verwandte übergehen. Allerdings sind familiäre Nachfolgen in jüngerer Zeit rückläufig. Im Zahntechnikerhandwerk kommt die Übergabe in der Familie noch seltener vor als im Handwerk allgemein. Ein Nachteil ist oft die ungleiche Motivation der Kinder oder steuerliche Hürden (z.B. Erbschaftsteuer).
  • Übergabe an Mitarbeiter: Ist ein erfahrener Mitarbeiter im Betrieb, ist eine interne Nachfolge häufig vorteilhaft. Der Nachfolger kennt bereits Kunden, Prozesse und das Team. Dies erleichtert die Akzeptanz bei Praxen und minimiert das Risiko von Kundenverlusten. Dementsprechend sind Mitarbeiterübergaben im Handwerk sehr beliebt. Oft wird dabei über mehrere Jahre hinweg schrittweise übertragen, so dass der Nachfolger Zeit hat, das Unternehmen selbstständig zu führen.
  • Verkauf an externen Dritten: Findet sich weder ein Familienmitglied noch ein Mitarbeiter, kommt der Verkauf an Dritte infrage. Das kann ein anderes Dentallabor sein oder auch die Beteiligung von Investoren. Solche externen Verkäufe erfordern allerdings eine professionelle Vorbereitung (klare Verträge, realistische Bewertung etc.) und sind nach Einschätzung von Experten oft schwieriger als gedacht.

Kreative Nachfolgemodelle

Zusätzlich zu den Standard-Modellen gibt es zunehmend unkonventionelle Ansätze: Beispielsweise können Betriebsinhaber einen Teil ihrer Firmenanteile an Mitarbeiter verkaufen und so über Jahre Stück für Stück in den Ruhestand gehen. Auch strategische Partnerschaften sind denkbar, etwa durch Gründung eines gemeinsamen Kooperationsverbandes mehrerer Labore oder die Beteiligung an einem großen Labornetzwerk. Nicht zuletzt bieten Nachfolge-Beratungsnetzwerke (z.B. Innungsverbünde oder Plattformen wie Nexxt-change) Unterstützung und vermitteln Kontakte zwischen Abgebern und Übernehmern. Diese kreativen Modelle sind individuell zu prüfen und erfordern eine maßgeschneiderte Planung.

Weitere Möglichkeiten: Laborketten, Investoren Kapital

Ein aktueller Trend ist die Konzentration durch Investoren und Laborketten. Private-Equity-Firmen und strategische Investoren schaffen bundesweite Verbünde mehrerer Dentallabore. Ein aktuelles Beispiel ist die DELABO.GROUP. Seit ihrer Gründung 2019 hat sich die Gruppe durch Übernahmen schnell vergrößert und gilt heute als einer der führenden Anbieter für „Made in Germany“-Zahnersatz mit mehr als 30 Dentallaboren. Auch die DENTARA GROUP expandiert rasant: Sie umfasst derzeit 17 Dentallabore mit über 320 Mitarbeitern in ganz Deutschland. Zahlreiche mittelständische Laborinhaber haben sich diesen Verbünden angeschlossen. Der Vorteil für den Einzelbetrieb liegt in gemeinsamen Ressourcen (z.B. Einkauf, Digitalisierung, Fortbildung), einer stärkeren Marktposition und nicht zuletzt auch in einer Absicherung der Nachfolge.

Die Übernahme durch eine Laborkette oder einen Finanzinvestor bietet Inhabern Chancen, u.a. die Sicherung der Unternehmensfortführung, den Zugang zu Kapital für zukunftsweisende Investitionen und oft hohe Verkaufspreise. Sie birgt aber auch Risiken. Experten weisen darauf hin, dass Investoren stark unterschiedlich agieren können – manche sind reine Finanzinvestoren, andere richtige Marktkenner. Wichtig ist zu klären, wer in der neuen Struktur die Richtung vorgibt. In jedem Fall sollten mehrere Angebote verglichen und ggf. Berater mit Branchenerfahrung hinzugezogen werden. Wichtig zu wissen: Nicht nur am Geldangebot orientieren, sondern auch an den langfristigen Perspektiven für Team und Kunden.

Zeitplan und Meilensteine für die Nachfolgeplanung

Aus Erfahrung braucht man für eine gelungene Nachfolgeregelung etliche Jahre Vorlauf. Idealerweise beginnt man schon mit Anfang 50 mit ersten Überlegungen. Ein Muster-Zeitplan könnte so aussehen:

  1. 10+ Jahre vor Übergabe: Nachfolgebedarf erkennen, Wunschmodell definieren. Erste Gespräche mit potenziellen Kandidaten führen (Familie, Mitarbeiter, Beraternetz). Eventuell den Betriebsaufbau diversifizieren (Prozesse dokumentieren, Schlüsselpersonen festlegen).
  2. 8–5 Jahre vor Übergabe: Konzept festlegen. Für Mitarbeiter-Nachfolge: Mitarbeiter gezielt weiterbilden und in Managementaufgaben einführen. Für externen Verkauf: Unternehmensergebnis verbessern, Konflikte bereinigen. Steuer- und Finanzplanung konkretisieren (z.B. Pensionsverpflichtungen prüfen).
  3. 5–2 Jahre vor Übergabe: Unternehmensbewertung (z.B. Ertragswert-Verfahren) durchführen. Verhandlungen mit dem Nachfolger oder Käufer aufnehmen. Ein schrittweiser Anteilsübergang (Earn-Out) kann hier vereinbart werden. Anwalt und Steuerberater einbinden, um Verträge (Kaufvertrag, Gesellschaftervereinbarungen) vorzubereiten.
  4. 2–1 Jahre vor Übergabe: Kaufvertrag notariell abwickeln. Offizielle Genehmigungen einholen (z.B. für Handelsregister). Einarbeitungsphase: Der künftige Eigentümer übernimmt sukzessive Verantwortung (z.B. Geschäftsführung, Rechnungsprüfung). Offizielle Ankündigung bei Mitarbeitern und Kunden.
  5. Übergabejahr: Formeller Inhaberwechsel. Gegebenenfalls Begleitung durch Alt-Inhaber als Mentor oder Berater. Abschluss aller Formalitäten (Pensionsregelungen, Steuerfreistellung für Familiengeschäft etc.).

Diese Meilensteine zeigen: Rechtzeitige Planung sichert einen reibungslosen Ablauf. Aus Expertenhand heißt es: „Wer zu spät plant, riskiert, dass die Nachfolge scheitert oder gar eingestellt werden muss“.

Ausblick auf die kommenden 10 Jahre 

Die nächsten Jahre bringen voraussichtlich noch mehr Konsolidierung: Die großen Laborketten werden weiterwachsen, da kleine Meisterbetriebe kaum einen Nachfolger finden. Digitalisierung und Fachkräftemangel verschärfen den Trend. In vielen kleinen Labors fehlen Nachfolger, eine Übernahme durch eine Laborkette erscheint daher oft realistischer. Die Rahmenbedingungen (z.B. Kostendruck) werden voraussichtlich stärker. Gleichzeitig wird der Fachkräftemangel bestehen bleiben, wenn nicht genügend junge Menschen für den Beruf gewonnen werden – aktuell verdienen Zahntechniker im Schnitt ca. 28 % weniger als vergleichbare Handwerker, ein Faktor, der Bewerbungen erschwert.

Für Laborinhaber heißt das: In den kommenden 5–10 Jahren ist anhaltende Vorsorge nötig. Kooperationen (unter Laboren, mit Zahnärzten oder Ausbildungsstätten) und Investitionen in moderne Technik könnten wettbewerbsentscheidend sein. Kleine Labore werden vermutlich oft Partnerschaften eingehen oder sich spezialisieren müssen, während größere Verbünde weiter ausbauen. Ähnliches zeichnet sich übrigens auch in Österreich und der Schweiz ab: Dort kämpfen viele Betriebe mit vergleichbarer Demografie und suchen ebenfalls nach Nachfolgelösungen.

Bereit, die eigene Nachfolgeplanung zu schärfen?

Die Nachfolgeplanung im Dentallabor erfordert jetzt klare Konzepte und rasches Handeln. Nur so kann der Fortbestand eines Meisterbetriebs gesichert werden. Laborinhaber sollten sich frühzeitig mit möglicher Übergabe oder Teilverkäufen beschäftigen. Mit professioneller Begleitung lassen sich Chancen und Risiken abwägen, um einen passenden Weg (Familie, Mitarbeiter, Investor o. ä.) zu finden.

Quellen: Statistisches Bundesamt, Studien und Umfragen des ZDH und KfW sowie Fachartikel und Branchenberichte, Thorsten Huhn

Nach oben scrollen